Geiger, Ruth-Esther: Marilyn Monroe, rororo 1995.

Das Verdienst der Autorin ist zweifellos die Entmystifizierung der Todesumstände Marilyn Monroes, die – so legen es die umfangreichen Recherchen und differenzierten Ausführungen Geigers Nahe – vor allem menschliches Versagen und eine Reihe unglücklicher Fehlentscheidungen waren. Lesende mit Hang zu Verschwörungstheorien werden mit diesem Buch daher sicher nicht auf ihre Kosten kommen. Vielmehr ist es eine solide Zusammentragung von Fakten des Lebens der Schauspielerin, die vor allem in den Schlusskapitel eine feministische Perspektive erhalten sollen. Diese wirkt jedoch etwas erzwungen, da die nötige Kritik an der kapitalistischen nordamerikanischen Gesellschaftsordnung nahezu ausbleibt und somit nicht plausibel erklärt werden kann, warum ein Mensch überhaupt zur Marke avanciert oder besser: degradiert werden kann. Eine frauenrechtlerische Sichtweise, die „nur“ das Sexsymbol zu greifen vermag, reicht als Analyseansatz nicht aus.

 

Zwar müht sich die Verfasserin, nicht die „Marke Monroe“ in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen zu stellen, sondern den Menschen. Gelungen ist ihr dieses Unterfangen jedoch nicht. Schon nach den ersten Seiten drängt sich der Verdacht auf, es handele sich um den „Fall Marilyn“. Dadurch wird die Schauspielerin nicht zum Subjekt, sondern bleibt Objekt der Betrachtung.

 

Wer eine erste und fundierte Überblicksdarstellung über Marilyn Monroe sucht, wird Freude mit dem Text haben – muss aber in Kauf nehmen, dass Gefühl nicht los zu werden, der Schaulustige an der Unfallstelle zu sein.