Woolf, Virginia: Mrs. Dalloway, Fischer Taschenbuch 1979.

Gibt es Bücher, die gut sind und die man trotzdem scheußlich findet?

Ja.

 

Ein solches Werk ist für mich Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“. Die Handlung, sofern sich von einer solchen überhaupt sprechen lässt, findet an nur einem einzigen Tag statt und wird durch das Warten auf den Beginn der Abendgesellschaft, die von Clarissa Dalloway gegeben wird, zusammengehalten. Dabei offenbaren sich die Innenansichten mehrerer Figuren, die mit der eben genannten Dame der besseren Gesellschaft und Mitfünzigerin in Beziehung stehen.

 

Das Buch ist nicht nur durch einen anspruchsvollen und originellen Aufbau (stream of consciousness) charakterisiert, sondern lässt sich auch als Ausschnitt eines Gesellschaftsbildes interpretieren, das auf bedrückende Art die Unfähigkeiten, die Selbstbezogenheit und das Unzeitgemäße der „besseren“ Gesellschaft zwischen den Weltkriegen offenlegt.

 

Der Roman ist kunstvoll und komplex konstruiert. Leider macht ihn das auch so anstrengend.